Ausgefallene Anzünder: Diese Methode ersetzt dein Feuerzeug – Teil 1
- vor 3 Tagen
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Ein Feuer entfachen zu können, gehört zu den grundlegendsten Überlebensfertigkeiten und ist weit mehr als nur etwas für Extremsituationen. Ob beim Camping oder auf Trekkingtouren – wenn man Feuer braucht und kein Feuerzeug oder Streichhölzer zur Hand hat, ist man auf alternative Methoden angewiesen.

Mit diesem Beitrag starte ich eine neue Reihe, in der ich ungewöhnliche, aber effektive Wege vorstelle, ein Feuer zu entzünden. Dieses Wissen soll neugierig machen, zum praktischen Nachmachen motivieren und vielleicht einfach die Freude am Draußensein bereichern – ohne dass man es jemals wirklich aus der Not heraus anwenden muss.
Feuer machen mit einem Tampon
Als Eröffnung dieser Beitragsserie möchte ich mit der interessanten Methode beginnen, mit der man mithilfe eines Tampons als ausgefallenem Anzünder ein Feuer entfacht. Diese kann mit etwas Übung nicht nur von einer Person, die ein Survival Training absolviert hat oder viel praktische Outdoorerfahrung besitzt, durchgeführt werden. Sie kann mit etwas Übung theoretisch von jedermann und sogar von Kindern ab einem gewissen Alter erfolgreich umgesetzt werden.
Die dafür benötigten Materialien sowie die Ausführung sind relativ einfach: Neben dem Tampon werden einfache Materialien wie etwas Holzasche, ein Brett und eine flache, etwas griffige Unterlage wie ein anderes Brett, ein großer flacher Stein oder ein flaches Stück Fels als Untergrund benötigt. Ganz glatt sollte der Untergrund nicht sein, da sich das Tampon sonst nicht gut rollt. Als Grundsatz gilt: Je gröber der Untergrund, desto mehr zerflust das Tampon und wird zerrieben.
Wahl des Tampons
Vorab möchte ich sagen, dass es bei der im Folgenden von mir beschriebenen Methode einige Unterschiede bei Tampons verschiedener Hersteller gibt. Je nach Zusammensetzung des Tampons funktioniert die Technik entweder gut oder schlecht. Das Problem liegt bei den in Tampons verwendeten Materialien: Die meisten Tampon-Saugkörper bestehen überwiegend aus Baumwolle und einem Teil Viskose. Die Viskose ist der Bestandteil, der die Technik deutlich erschwert.
Also muss man sich vor dem Kauf informieren, woraus die Tampons gefertigt sind, die man verwenden möchte. Das liest man manchmal auf der Verpackung, meistens aber auf den Webseiten der Hersteller.
Wer eine hohe Erfolgschance möchte, sollte Bio-Tampons verwenden. Diese bestehen in der Regel aus 100% Bio-Baumwolle, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Feuer etwas wird.
Wer keinen Tampon hat, kann auch Wattepads nutzen. Diese sind meistens aus 100 % Baumwolle hergestellt.
Vorbereitung des Tampons
Es gibt zwei funktionierende Ansätze, die ich der Vollständigkeit halber beide vorstelle. Aus meinen Survival-Trainings weiß ich, dass Menschen unterschiedlich gut damit zurechtkommen – im Voraus lässt sich jedoch kaum sagen, welcher Ansatz für wen am besten funktioniert. Methode 1:
Zunächst wird das Tampon ausgepackt und vorbereitet. Die Schutzfolie verfügt meist über eine Art Sollbruchstelle in der Mitte, sodass sie sich leicht entfernen lässt, indem man das Tampon einmal leicht einknickt.
Anschließend wird das Tampon vorsichtig auseinandergezupft, bis es die Struktur eines lockeren Wattebauschs erhält. Diese aufgelockerte Form erleichtert später das Entzünden erheblich. Außerdem wird die Rückholschnur (der Tamponfaden) entfernt.

Anschließend wird die Asche gleichmäßig auf dem Tampon verteilt. Dabei ist die richtige Menge entscheidend: Zu viel oder zu wenig kann den Effekt beeinträchtigen. Als grobe Orientierung dient etwa eine halbe Handfläche voll Asche.

Das Tampon wird anschließend locker zwischen den Händen zu einer länglichen, zigarrenähnlichen Form gerollt. So lässt es sich später deutlich besser mit dem Rollbrett bewegen. Ohne diesen Schritt würde das Material die Bewegung eher bremsen oder einfach unter dem Brett mitgeschleift werden – dabei entsteht keine ausreichende Hitze.

Methode 2:
Auspacken und Zerrupfen wie oben bei Methode 1 beschrieben. Auch hier wird die Rückholschnur (der Tamponfaden) entfernt.
Das Tampon wird in der Länge mit einem Messer bis 1/3 des Durchmessers aufgeschnitten und wie eine Bahn ausgerollt.
Die Asche wird am Anfang auf dem Tampon platziert, anschließend wird es möglichst fest zusammengerollt. Je kompakter es ist, desto besser funktioniert die Methode.

Die Technik
Zunächst wird das Tampon vorsichtig in eine Richtung gerollt. Diese sollte immer die gleiche bleiben. Anders gesagt: Man rollt das Tampon entweder immer nach vorn von sich weg oder rollt es zu sich hin. Man sollte dann nicht die Richtung wechseln! Am besten schiebt man das Rollbrett, das auf dem Tampon liegt, gleichmäßig mit etwas leichtem Druck in die gewünschte Richtung. Kurz bevor das Tampon die Kante des Rollbretts, das man in der Hand hält, erreicht, hebt man das Brett an, legt das Tampon wieder an den Ausgangspunkt zurück und wiederholt den Vorgang.

Am Anfang sollte dabei nur mit leichtem Druck auf das Tampon durch das Rollbrett gearbeitet werden. So wird das Tampon gleichmäßiger und runder, was das spätere Rollen erleichtert. Gleichzeitig sorgt dieser sanfte Druck bereits für eine erste Verdichtung des Materials. Das ist ein wichtiger Faktor für die spätere Hitzeentwicklung. Die Rollbewegung sollte dabei zu Beginn immer erst in eine Richtung erfolgen. Wenn das Tampon "flüssig" rollt, wird das Rollbrett nicht mehr angehoben und neu angesetzt. Stattdessen rollt man das Tampon in schnellen Vor- und Rückbewegungen kontinuierlich über das Bodenbrett bzw. die Steinfläche.

Es kann sehr hilfreich sein, wenn man beidhändig Druck auf das Rollbrett ausübt. Somit kann man ohne viel Kraftaufwand deutlich mehr Druck erzeugen. Reicht das nicht aus, beugt man den Körper noch etwas über das Brett, um mit dem Körpergewicht zusätzliche Belastung auf das Tampon zu bringen.
Nach kurzer Zeit intensiver und schneller Bewegung sollte man das Brett kurz anheben und prüfen, ob sich Wärme entwickelt hat. Fühlt sich das Tampon bereits heiß an, ist man auf dem richtigen Weg. Ist es nur lauwarm, muss man entweder mit mehr Druck arbeiten oder es wurde anfangs nicht genug Asche auf das Tampon gestreut.

Anschließend wird die Rollbewegung mit gleichmäßigem Druck fortgesetzt, bis das Tampon zu glimmen beginnt. Dabei sollte man sich nicht täuschen lassen: Oft ist zunächst kein Rauch sichtbar, obwohl sich bereits ein Glutnest gebildet hat. Deshalb empfiehlt es sich, das Tampon vorsichtig zu öffnen und zu kontrollieren.
Wichtig ist außerdem, dass anfangs keine offene Flamme entsteht, sondern lediglich Glut. Während des Rollens kann feiner Staub aufgewirbelt werden, der leicht mit Rauch verwechselt wird. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch nur um Staub – mit etwas Übung lässt sich der Unterschied gut erkennen.

Sobald sich ein Glutnest gebildet hat, sollte das Tampon sehr vorsichtig behandelt werden, damit es weder zerdrückt noch durch Wind ausgeblasen wird. Durch behutsames Anblasen wird es mit Sauerstoff versorgt, sodass im besten Fall bereits eine kleine Flamme entsteht.
Falls dies nicht gelingt, legt man das glimmende Tampon in vorbereitetes Anzündmaterial – zum Beispiel ein weiteres aufgelockertes Tampon oder feines, trockenes Naturmaterial – und bläst es weiter an, bis sich ein stabiles Feuer entwickelt.

Zum Abschluss wird das brennende Tampon dann in die vorbereitete Feuerstelle gelegt oder für den Zweck verwendet, wofür man es angezündet hat.

Beim Üben gibt es ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Es ist völlig normal, wenn sich das Tampon manchmal auflöst oder auseinanderfällt. In diesem Fall kann man es oft einfach wieder zusammenlegen und erneut anrollen – oder bei Bedarf ein neues verwenden.
Außerdem sollte man nicht erwarten, dass diese Methode direkt beim ersten Versuch gelingt. Wie bei vielen Survival Techniken braucht es etwas Übung, bis sie zuverlässig funktionieren.
Tampons als ausgefallene Anzünder? - Fazit
Diese Methode des Feuermachens ist zweifellos ungewöhnlich. Sie zeigt jedoch, wie wertvoll entsprechendes Wissen in schwierigen Situationen sein kann. Je mehr Techniken man beherrscht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, auch unter widrigen Umständen ein Feuer entfachen zu können.
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Schön erklärt. Ich habe es bisher noch nicht ganz geschafft. Mein Problem mit dieser Technik ist die Asche. Woher nehmen, wenn man noch kein Feuer gemacht hat? Mit Sand hat es bei mir bisher nicht funktioniert. 🤔