Frieren im Schlafsack – Ursachen, Irrtümer und Praxislösungen
- vor 1 Tag
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Wer draußen schläft, weiß: Der Schlafsack ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand, wenn es darum geht, in kalten Nächten warm zu bleiben. Im Idealfall hält er die vom Körper erzeugte Wärme zuverlässig zurück und sorgt dafür, dass man erholt und kraftvoll in den nächsten Tag starten kann.
Doch viele, die schon einmal bei niedrigen Temperaturen biwakiert oder auf Wintertour unterwegs waren, kennen das unangenehme Gefühl: Trotz Schlafsack beginnt man zu frieren. Was in einer Trekkingnacht nur lästig ist, kann in einer echten Survival Situation schnell zur lebensbedrohlichen Gefahr werden. Warum frieren wir überhaupt im Schlafsack? Und was läuft da schief, obwohl wir uns gut ausgerüstet fühlen?
In diesem Beitrag möchte ich genau das erklären: die häufigsten Ursachen für Wärmeverlust im Schlafsack und wie man sie erkennt, versteht und im besten Fall vermeidet.

Materialbedingte Ursachen fürs Frieren im Schlafsack
Hier geht es um alle möglichen Fehlerquellen, die bereits vor dem Zubettgehen dazu führen können, dass der Schlafsack nicht richtig warmhält – und zwar auf Seiten der Ausrüstung.
So merkwürdig es klingen mag: Den Grundstein für das Frieren wird oft lange, bevor man überhaupt im Schlafsack liegt, gelegt. Das fängt bei der Beschaffung an, oft ohne, dass man sich darüber überhaupt bewusst ist. Schon kleine Mängel oder falsche Materialwahl beim Schlafsackkauf können die Wärmeleistung massiv beeinträchtigen – selbst bei hochwertigen Produkten. Deshalb lohnt es sich, auch das „Drumherum“ genau zu betrachten.
Falscher Schlafsack
Bereits die Wahl eines ungeeigneten Schlafsacks kann dazu führen, dass man nachts friert. Das gilt auch für den Fall, dass man einen für den Temperaturbereich geeigneten Schlafsack kauft. Das ist aber nicht alles, was zählt. Viele im und am Schlafsack verarbeitete Details, die auch teilweise auf jahrzehntelanger Erfahrung beruhen, spielen in manchen Fällen sogar eine große Rolle für den Wärmeerhalt. Die Füllung ist natürlich der wichtigste Faktor für die Isolation. Hier sollte man sich einlesen, denn Daune ist nicht gleich Daune und Kunstfaser nicht gleich Kunstfaser. So gibt es hochwertige Daunen aus Polen, die hervorragend isolieren, während Chinadaune von dieser Eigenschaft eher im Mittelfeld angesiedelt ist. Gleiches gilt für Kunstfasern: PrimaLoft, um nur mal eine der hochwertigen Marken zu nennen, isoliert im Schnitt besser, als das Füllmaterial eines günstigen Discounter-Schlafsacks. Neben dem Füllmaterial spielen auch Größe, Schnittform und Ausstattung eine entscheidende Rolle. Ist der Schlafsack zu lang oder zu breit, muss der Körper mehr Raum aufwärmen, als eigentlich nötig wäre. Das kostet unnötig Energie – ähnlich wie das Heizen eines Altbauzimmers mit hoher Decke durch einen kleinen Heizkörper. Auch fehlende Ausstattungsmerkmale wie ein Wärmekragen können den Unterschied machen, ob man warm schläft oder in der Nacht friert. Frauen und ältere Menschen haben zudem noch einen Nachteil: Hier wird besonders oft über kalte Füße geklagt, was häufig an einer unzureichenden Isolierung des Schlafsacks im Fußbereich liegt. Hochwertige Modelle sind hier deutlich besser konstruiert.

Bei gebrauchten Militärschlafsäcken sollte man auch kritisch und vorsichtig sein. Sie haben meist eine unbekannte Vorgeschichte, wodurch ihre tatsächliche Isolationsleistung kaum einschätzbar ist. Soldaten sind in der Regel nicht dafür bekannt, Schlafsäcke besonders schonend zu behandeln. Teilweise verständlich, wenn man die teilweise harten Ausbildungsabläufe kennt, die für das Material eine große Herausforderung sind. Aber noch ein weiteres Problem kommt dazu: Durch jahrelange Nutzung, starke Kompression und Feuchtigkeit verliert die Füllung oft dauerhaft an Loft – und damit an Wärme. Viele Modelle besitzen zudem keine verlässlichen Temperaturangaben, was sie für kalte Nächte riskant macht. Auch wenn der Preis oft verlockend ist, sollte man sich meiner Meinung nach vielleicht doch besser für ein ziviles Schlafsackmodell entscheiden. Trotz robuster Bauweise sind die Militärschlafsäcke häufig schwer, sperrig und thermisch deutlich schlechter als moderne zivile Ausführungen.
Ungeeigneter Temperaturbereich
Das ist eines der häufigsten Probleme, die ich oft in meinen Winter Survival Kursen beobachte. Dorthin bringen Teilnehmer ihren Winterschlafsack mit und wundern sich, warum sie trotzdem darin frieren. Schaut man sich dann die Temperaturangaben an, wird schnell klar: Der falsche Temperaturbereich wurde gewählt, der Schlafsack deckt nicht die Realtemperatur ab. Viele wissen nicht, dass Schlafsäcke im zivilen Bereich nach einer festen Norm bewertet werden, bekannt als ISO 23537. Diese Norm gibt Aufschluss darüber, für welchen Temperaturbereich der Schlafsack geeignet ist. Der Test wird mit einem beheizten Prüf-Dummy durchgeführt, in standardisierter Kleidung, auf einer Isomatte und unter kontrollierten Bedingungen. Klingt technisch – ist aber wichtig zu verstehen. Diese Norm legt fest, wie Schlafsäcke unter Laborbedingungen getestet und klassifiziert werden. Dabei entstehen drei Temperaturbereiche, die dem Käufer helfen, den richtigen Schlafsack zu kaufen:
Komfort: Hier schläft man angenehm, ohne zu frieren
Komfort Limit: Bis dahin hält der Schlafsack gerade so warm
Extrem: Reiner Überlebensbereich, hohes Risiko für starke Unterkühlung
Es dürfte sich jedem Leser erschließen, dass der Komfort-Bereich der Wert ist, der ausschlaggebend sein muss. Der große Fehler in der Praxis: Viele Menschen orientieren sich beim Kauf am „Extrem“-Wert – und denken, der Schlafsack halte bis zu dieser Temperatur zuverlässig warm. Das ist ein gefährlicher Irrtum, denn der Extremwert ist die unterste Überlebensgrenze, nicht der Punkt, an dem du warm schläfst. Ein Schlafsack mit Extremwert –15 °C lässt eine Person in der Realität nicht bei –15 °C mollig warm schlafen– er lässt die Person gerade so überleben. Und das bedeutet: Zittern, Wachliegen, Unterkühlung – im schlimmsten Fall mit ernsten Folgen. Was zählt, ist der Komfortwert. Wenn dieser zum Beispiel bei –15 °C liegt, kann man– vorausgesetzt, man macht alles richtig – in diesem Schlafsack auch bei –15 °C wirklich schlafen, ohne zu frieren.
Tipp aus der Praxis: Wer über 35 ist, sollte beim Komfortwert noch 2–5 Grad Sicherheitspuffer einrechnen. Denn mit zunehmendem Alter friert man schneller – die körpereigene Wärmeproduktion nimmt etwas ab. |
Wichtig ist, dass die Temperaturangaben von Schlafsäcken nur in Kombination mit einer für den Temperaturbereich passenden Isomatte gelten.

Falsche Isomatte
Der Boden ist einer der größten Faktoren für nächtliches Auskühlen, er ist ein rigoroser Wärmedieb. Isomatten schützen den Körper vor der Bodenkälte und sind damit ein essenzieller Bestandteil eines funktionierenden Schlafsystems. Doch nicht jede Matte eignet sich für jede Jahreszeit, je nach Dicke und Material variiert ihre isolierende Wirkung deutlich.
Wird bei einer Wintertour eine dünne Sommermatte verwendet, kann selbst ein hochwertiger Arktisschlafsack nicht verhindern, dass Kälte von unten durchdringt. Deshalb ist es wichtig, für kalte Bedingungen eine Isomatte mit entsprechendem Isolationswert zu wählen.

Mittlerweile gibt es glücklicherweise einen Wegweiser dafür, wie gut eine Isomatte schützt. Die Dämmleistung wird durch den sogenannten R-Wert angegeben – ein Maß für den Wärmewiderstand. Je höher der R-Wert, desto besser schützt die Matte vor Wärmeverlust an den Boden. Praktisch dabei ist: Werden zwei Matten kombiniert, addieren sich ihre R-Werte. So ergibt etwa die Kombination aus R 1,5 und R 2,5 zusammen etwa R 4,0.
Für Wintereinsätze gilt als Richtwert: Eine Isomatte – oder Mattenkombination – sollte mindestens einen R-Wert von 5 erreichen, um einen zuverlässigen Schutz vor Bodenkälte zu bieten. Aus praktischer Sicht gesehen kann man sagen, dass eine Isomatte mit einem R-Wert von 5 ganzjahrestauglich ist.

Aufbewahrungsfehler
Schlafsäcke sollte man richtig lagern, damit sie auch nach Jahren noch warmhalten.
Viele wissen nicht, wie empfindlich Schlafsäcke in Bezug auf Lagerung sind. Man kann ihre Isolationsleistung durch falsche Aufbewahrung erstaunlich leicht verringern, egal ob Daune oder Kunstfaser. Was Füllmaterialien überhaupt nicht mögen, ist dauerhafter Druck. Wenn ein Schlafsack monatelang im Kompressionssack bleibt, verliert die Füllung nach und nach ihre Bauschkraft – den sogenannten Loft. Das passiert oft schon im Ladenregal, wenn Schlafsäcke aus Platzgründen über längere Zeit eng zusammengerollt präsentiert werden. Für mich persönlich ist das ein klarer Grund, solche Modelle nicht zu kaufen – denn man kann davon ausgehen, dass sie dadurch schon etwas an Isolationsleistung eingebüßt haben. Richtig problematisch wird es dann, wenn man diese falsche Lagerung zu Hause fortsetzt – oft aus Unwissenheit. Wird der Schlafsack über Wochen oder Monate im kleinen Packbeutel gelassen, verliert er die Fähigkeit, sich fluffig auszudehnen. Und genau dieses Aufbauschen ist ja für die Wärmeisolation entscheidend: Nur so können viele kleine Luftpolster entstehen, die die Körperwärme halten.

Einmal kaputtgedrückter Loft oft lässt sich nicht vollständig wiederherstellen. Man kann sich das gut wie bei einer Metallfeder vorstellen, die zu lange zusammengedrückt wurde – sie springt irgendwann nicht mehr richtig zurück in die Ausgangsform.
Daher empfehle ich eine fachgerechte Lagerung: Am besten bewahrt man den Schlafsack locker auf. Entweder im großen Aufbewahrungsbeutel (oft mitgeliefert) oder man hängt ihn von oben nach unten auf. So bleibt die Füllung in Form und der Loft erhalten.
Keine Sorge: Wenn man den Schlafsack für zwei Wochen im Kompressionssack transportiert oder auf einer längeren Tour täglich ein- und auspackt, ist das völlig unbedenklich. Kritisch ist nur die dauerhafte, monatelange Lagerung unter Druck.

Fehler in der falschen Anwendung des Schlafsacks
Der Kauf eines Schlafsacks, der für den geplanten Temperaturbereich ausgelegt ist, reicht leider nicht immer aus, um draußen zuverlässig warm zu schlafen. Tatsächlich kann die Isolationsleistung eines Schlafsacks durch falsches Verhalten deutlich verringert werden. Fehler bei der Anwendung, Lagerung oder Kombination mit anderer Ausrüstung führen dazu, dass der Schlafsack seine volle Wirkung nicht entfalten kann. Das gilt besonders für längere Touren oder widrige Bedingungen draußen.
Der Wärmekragen wird nicht genutzt
Der Wärmekragen ist ein Ring aus Isolationsmaterial, der im Inneren des Schlafsacks etwa auf Brusthöhe eingenäht ist. Nach dem vollständigen Schließen des Schlafsacks sollte der Wärmekragen sorgfältig verschlossen werden. Das geschieht meist per Klett, Kordelzug oder Druckknopf. Seine Funktion ist zentral: Er verhindert, dass warme Luft, die sich im Schlafsack gesammelt hat, durch die obere Öffnung entweicht. Ohne Wärmekragen kann diese Luft bei jeder Bewegung vom Fußbereich nach oben entweichen – ein klassisches Beispiel für Konvektion und Wärmeverlust.
Überraschend viele Nutzer wissen nicht, dass ihr Schlafsack überhaupt über einen Wärmekragen verfügt, und einige Schlafsäcke haben gar keinen Wärmekragen. Viele militärische Winterschlafsäcke sind aus funktionellen Gründen ohne Wärmekragen konstruiert, was aus thermischer Sicht ein deutlicher Nachteil ist. Solche Modelle sind für Kälteunerfahrene nicht empfehlenswert.
Fakt ist: Wird der Wärmekragen nicht richtig geschlossen, steigt das Risiko deutlich, in der Nacht zu frieren.

Gesichtsbereich nicht verschlossen
Winterschlafsäcke sind in der Regel so konstruiert, dass sich der Kopfbereich mithilfe eines Kordelzugs oder einer ähnlichen Vorrichtung verengen lässt, vergleichbar mit einer Kapuze. Ziel ist es, die Öffnung möglichst klein zu halten, sodass nur noch ein schmaler Bereich für Nase und Mund frei bleibt. Der Rest des Gesichts sollte möglichst gut abgedeckt sein, um Wärmeverluste zu minimieren.
In der Praxis ist jedoch klar: Kaum jemand liegt acht Stunden lang unbewegt auf dem Rücken, und genau hier fängt der Wärmeverlust im Kleinen an: Durch nächtliche Bewegungen kann sich die Öffnung verschieben – das ist normal und in der Regel unproblematisch, da dabei nur geringe Mengen Wärme verloren gehen. Problematisch wird es hingegen, wenn der Kopfbereich gar nicht angepasst wird und offen bleibt. Dann entweicht konstant warme Luft, was das Wärmegefühl deutlich beeinträchtigen kann.
Gerade bei empfindlichen Personen oder sehr tiefen Temperaturen ist es sinnvoll, nachts zusätzlich eine leichte Kopfbedeckung wie eine Mütze oder Sturmhaube zu tragen. So bleibt auch der ungeschützte Kopfbereich besser isoliert.
Bekleidung nicht gewechselt
Wer mit der Kleidung in den Schlafsack steigt, die tagsüber getragen wurde, bringt auch die darin gespeicherte Feuchtigkeit mit hinein, und genau das ist problematisch. Feuchte Textilien leiten Wärme etwa 25-mal schneller ab als trockene, was die Isolationswirkung erheblich verringert.
Deshalb sollte immer separate, trockene Schlafkleidung angezogen werden. Die tagsüber getragene Kleidung gehört außerhalb des Schlafsacks aufgehängt oder im Fußbereich nur dann mit hinein, wenn sie gezielt angetrocknet oder vorgewärmt werden soll – etwas, das Erfahrung und ein gutes Gespür für Feuchtigkeit und Temperatur erfordert. In der Regel ist diese Technik eher geübten Personen vorbehalten.
Falsche Bekleidung im Schlafsack
Wer im Schlafsack zu viele Schichten trägt, riskiert Überhitzung und Schwitzen. Die Feuchtigkeit sammelt sich in der Kleidung, kühlt beim Ruhen aus und verursacht Verdunstungskälte, das Ergebnis ist ein unangenehmes Kältegefühl trotz dicker Bekleidung. Am effektivsten wirkt der Schlafsack mit leichter, trockener und atmungsaktiver Kleidung, die die Körperwärme ungehindert an die isolierende Luftschicht abgeben kann. Das kann z. B. eine lange Unterhose und ein langärmeliges Unterhemd sein. Als grobe Faustregel kann man sagen, dass man immer erst mit eher weniger Bekleidung in den Schlafsack kriechen sollte. Idealerweise mit den Basisschichten. Ist es dann immer noch kalt, kann man immer noch "upgraden" und einen Pullover oder ein Fleece dazu anziehen.
Frauen empfehle ich zusätzlich, immer Socken zu tragen, wenn sie bei Kälte im Schlafsack schlafen, da diese schneller an den Füßen frösteln.
Kalt in den Schlafsack steigen
Ein häufiger Fehler besteht darin, mit bereits ausgekühltem Körper in den Schlafsack zu steigen. Damit ist nicht das kurze Frösteln beim Umziehen gemeint, sondern ein Zustand, in dem man bereits über längere Zeit – auch nur leicht – gefroren hat. Wer so in den Schlafsack kriecht, wird höchstwahrscheinlich eine kalte Nacht erleben.
Besser ist es, den Kreislauf vorher kurz in Schwung zu bringen: Zwei bis drei Minuten moderate Bewegung – etwa Kniebeugen oder Hampelmänner – reichen meist aus, um die Körpertemperatur spürbar zu erhöhen, ohne ins Schwitzen zu geraten. Zusätzlich kann eine mit heißem Wasser gefüllte Nalgene-Flasche im Fußbereich des Schlafsacks als effektiver Wärmespeicher dienen.

Richtig essen vor dem Schlafengehen
Wenn möglich noch mal richtig essen vor dem Schlaf: Ein kleiner Snack mit lang anhaltender Energie (Mischung aus Kohlenhydraten und Fett, z. B. Nüsse oder Schokolade) vor dem Schlafen kann helfen, die Nachtwärme zu sichern. Energiereich essen mit Kohlenhydraten macht Sinn, denn es liefert die metabolische Energie für die Wärmeproduktion.
Bewegung im Schlafsack als Kältefaktor
Auch Bewegung im Schlafsack kann dazu führen, dass man zu frieren beginnt – vor allem, wenn es unruhig oder häufig passiert. Drückt zum Beispiel der Ellbogen oder das Knie gegen die Außenwand des Schlafsacks, wird die Isolationsschicht an dieser Stelle zusammengedrückt. Dadurch entsteht eine sogenannte Kältebrücke: Die isolierende Luftschicht fehlt, und Kälte kann von außen nach innen dringen.
Ein weiteres Problem: Wer sich viel im Schlafsack bewegt, läuft Gefahr, im Schlaf von der Isomatte zu rutschen. Da viele Matten keine rutschhemmende Unterseite haben und Schlafsäcke oft aus glattem Material bestehen, passiert das schneller, als man denkt. Ohne die isolierende Wirkung der Matte spürt man sofort die Bodenkälte, selbst bei dicker Unterlage.
Tipp: Wer unruhig schläft, sollte darauf achten, dass Schlafsack und Matte möglichst gut zusammenpassen. Antirutsch-Systeme, strukturierte Matten oder ein zusätzlicher Biwaksack können helfen, beides in Position zu halten. Manche Schlafsäcke bieten Schlaufen zur Befestigung an der Matte – eine Funktion, die gerade in kalten Nächten sehr sinnvoll ist.
In den Schlafsack hineinatmen
Das Atmen in den Schlafsack hinein mag sich zunächst warm anfühlen, stellt aber ein erhebliches Problem dar: Mit jedem Atemzug gibt der Mensch Wasserdampf ab. Diese Feuchtigkeit schlägt sich im Isolationsmaterial nieder und kann dessen Wärmeleistung spürbar reduzieren. Besonders kritisch wird dies bei dauerhaften Aufenthalten draußen, gerade bei Daunenschlafsäcken. Durchnässte Daunen verlieren einen großen Teil ihrer Isolationsfähigkeit und benötigen unter Feldbedingungen mehrere Tage zum Trocknen.
Schlafsack nicht auslüften / trocknen
Es ist empfehlenswert, den Schlafsack nach jeder Nacht – sofern es die Witterung zulässt – gründlich auszulüften. Während des Schlafs sammelt sich unweigerlich Feuchtigkeit durch Atemluft und Körperschweiß im Inneren, selbst wenn man nicht bewusst schwitzt. Wird diese Feuchtigkeit nicht abgeführt, leidet die Isolationsleistung des Schlafsacks bis zu einem gewissen Grad mit jeder weiteren Nacht.
Am besten wird der Schlafsack morgens geöffnet, ausgeschüttelt und an einem luftigen, möglichst trockenen Ort ausgebreitet oder aufgehängt. Auch kurze Lüftungszeiten können bereits helfen, gespeicherte Feuchtigkeit entweichen zu lassen und den Loft der Füllung zu erhalten. Gerade auf mehrtägigen Touren ist regelmäßiges Lüften ein entscheidender Faktor dafür, dass der Schlafsack dauerhaft warm bleibt.
Selbst bei Frost sollte und kann man den Schlafsack lüften, und das ist sogar besonders wichtig: Wenn es draußen gefroren ist, enthält die kalte Luft sehr wenig Feuchtigkeit. Genau das ist ein Vorteil, denn der Wasserdampf aus dem Schlafsack kann auch bei Minusgraden gut entweichen. Die Feuchtigkeit gefriert dabei häufig an der Oberfläche oder in der äußeren Schicht des Schlafsacks, während das Innere trockener wird. Dieses Prinzip wird seit Jahrzehnten bei Polar- und Winterexpeditionen genutzt.
Fazit
Warm zu schlafen ist keine Hexerei. Wie so oft sind es die kleinen Details, die am Ende den großen Unterschied machen. Wer beim Schlafsackkauf auf Füllmaterial, Größe, Schnitt und den passenden Temperaturbereich achtet und sich im Gelände einige grundlegende Regeln hält, kann kalte Nächte zuverlässig vermeiden.
Mit dem richtigen Wissen, etwas Aufmerksamkeit und einer sinnvoll abgestimmten Ausrüstung wird der Schlafsack zu dem, was er sein soll: ein verlässlicher Schutz vor Kälte – auch unter anspruchsvollen Bedingungen.
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