Wasser auffangen mit der Rettungsdecke - Survival Skill
- 7. Mai
- 7 Min. Lesezeit
Wasser ist in einer echten Survivalsituation wichtiger als Nahrung. Der menschliche Körper kann zwar mehrere Wochen ohne Essen auskommen, aber nur wenige Tage ohne Wasser. Deshalb gehört das Auffangen von Regenwasser zu den effektivsten und sichersten Methoden, um in der Wildnis an Trinkwasser zu gelangen. Eine oft unterschätzte Hilfe dabei ist die Rettungsdecke, die – richtig eingesetzt – weit mehr kann, als Wärme reflektieren. Durch ihre wasserdichte Oberfläche eignet sie sich hervorragend, um Regenwasser zu sammeln und nutzbar zu machen. Viele kennen Rettungsdecken nur aus dem Erste-Hilfe-Set im Auto, dabei ist sie nicht nur im Survival Kit ein multifunktioneller Gegenstand für das Überleben.
Mit diesem Blogbeitrag möchte ich ein paar Anregungen für das Auffangen von Wasser mit der Rettungsdecke geben.

Warum Regenwasser so wertvoll ist
In der Natur gibt es unterschiedliche Wasserquellen, aus denen Wasser gewonnen werden kann. Regenwasser bietet jedoch einige entscheidende Vorteile gegenüber vielen natürlichen Wasserstellen. Deshalb sollte das Sammeln von Regenwasser immer in Betracht gezogen werden.
Wasserqualität
Regenwasser zählt in vielen Situationen zu den saubersten natürlich verfügbaren Wasserquellen. Im Gegensatz zu stehenden Gewässern wie Tümpeln, Pfützen oder kleinen Seen enthält frisches Regenwasser in der Regel keine Keime, Parasiten und organische Belastungen.
In einer echten Survivalsituation gilt frisch aufgefangenes Regenwasser als gesundheitlich unbedenklich, im Gegensatz zu stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Wird das Wasser sauber aufgefangen und zeitnah konsumiert, ist eine zusätzliche Aufbereitung nicht erforderlich.
Verfügbarkeit von Regenwasser
In der gemäßigten Klimazone, in den Tropen oder auch in Gebirgsregionen kann man grundsätzlich regelmäßig mit Niederschlag rechnen. Selbst wenn es mehrere Tage trocken bleibt, folgt in vielen dieser Regionen früher oder später erneut Regen. Deshalb ist das Auffangen von Regenwasser dort eine realistische und oft sehr effektive Möglichkeit der Wassergewinnung.
Allein in Deutschland gibt es – je nach Region – durchschnittlich etwa 100 bis 130 Regentage pro Jahr, in manchen Gebieten sogar deutlich mehr. Besonders Mittelgebirge und alpine Regionen weisen häufig höhere Niederschlagsmengen auf. Dadurch gehört Regenwasser in Mitteleuropa zu den zuverlässigsten natürlichen Wasserquellen für das Überleben in der Natur.
Geringer Aufwand
Um Regenwasser zu gewinnen, ist in der Regel nur ein vergleichsweise geringer körperlicher Aufwand erforderlich. Häufig genügt es bereits, eine Rettungsdecke auszulegen oder zwischen Ästen aufzuspannen, damit sich Niederschlag sammeln kann. Dadurch bleibt der Energieverbrauch niedrig.
Im Vergleich dazu sind viele andere Methoden deutlich anstrengender und zeitaufwendiger. Wer beispielsweise nach Wasser graben muss oder Oberflächenwasser aus Seen, Pfützen oder Flüssen nutzt, muss dieses meist zusätzlich aufbereiten. Dafür ist häufig ein Feuer notwendig, was wiederum das Sammeln von Brennholz, das Vorbereiten einer geeigneten Feuerstelle sowie das Entzünden und Aufrechterhalten des Feuers erfordert.
Rettungsdecken
Rettungsfolien – besser bekannt als Rettungsdecken – sind eine äußerst praktische und vielseitige Erfindung. Diese kleinen und äußerst nützlichen Helfer wurden ursprünglich entwickelt, um die Körperwärme zu erhalten und Menschen vor Unterkühlung zu schützen. Im Survival werden Rettungsdecken jedoch oft zweckentfremdet und für eine Vielzahl weiterer Anwendungen genutzt. Durch ihr geringes Gewicht, das kleine Packmaß und die wasserdichte Oberfläche eignen sie sich unter anderem als Regenschutz, Windschutz, Signalfläche, Unterlage und vieles mehr. Mit etwas Kreativität lassen sich daraus sogar improvisierte Unterkünfte oder Wassertransportsysteme herstellen. Deswegen empfehle ich, in jedem Survival Kit mindestens eine Rettungsdecke mitzuführen.
Ist Wasser aus einer Rettungsdecke bedenklich?
Rettungsdecken sind eigentlich nicht dafür vorgesehen, als Behälter oder Auffangfläche für Trinkwasser genutzt zu werden. Sie bestehen vorwiegend aus dünner Kunststofffolie (PET/Mylar) mit metallischer Beschichtung und gelten streng genommen nicht als lebensmittelecht. „Lebensmittelecht“ bedeutet, dass ein Material keine gesundheitsschädlichen Stoffe an Lebensmittel oder Trinkwasser abgibt. Bei ungeeigneten Kunststoffen können unter bestimmten Bedingungen unter anderem Weichmacher, chemische Rückstände oder Mikroplastik ins Wasser gelangen.
Trotzdem sollte man die Nutzung einer Rettungsdecke immer im Zusammenhang mit einer echten Survivalsituation betrachten. Wenn dadurch akuter Wassermangel verhindert werden kann, ist das Risiko möglicher Materialrückstände meist deutlich geringer als die Gefahr einer Dehydrierung.
Frisch aufgefangenes Regenwasser, das nur kurzfristig mit der Rettungsdecke in Kontakt kommt, dürfte in den meisten Fällen kein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellen.
Die Wasserqualität hängt stark davon ab, wie und wo das Regenwasser aufgefangen wird. Deshalb sollte darauf geachtet werden, dass die Rettungsdecke möglichst sauber bleibt und die Auffangfläche nicht mit Erde, Tierkot oder anderen Verschmutzungen in Berührung kommt.
Auffangmethoden für Wasser mit der Rettungsdecke
Im folgenden Abschnitt zeige ich einige Möglichkeiten, wie Wasser mit einer Rettungsdecke aufgefangen werden kann. Die gezeigten Konstruktionen wurden von Survival Guides umgesetzt, die sich derzeit bei mir in der Ausbildung befinden.
Bei der ersten Variante hat der Teilnehmer einen einfachen, variablen Rahmen gebaut. Die Rettungsdecke wurde an den langen Seiten an geraden Stangen befestigt, die wiederum auf in den Boden gesteckten Trägerhölzern aufliegen. Dadurch bleibt die Rettungsdecke vom Boden fern und die Auffangfläche sauber.
In der Mitte wurde zusätzlich ein Ast als Gewicht platziert. Dieser erfüllt gleich zwei Aufgaben: Zum einen sorgt er dafür, dass sich das Regenwasser in der Mitte sammelt, zum anderen stabilisiert er die Konstruktion bei Wind und verhindert, dass die Rettungsdecke weggeweht wird.

Bei der Konstruktion hat sich der Teilnehmer besonders viele Gedanken gemacht. Die Tragestangen ermöglichen es, die gesamte Konstruktion gemeinsam anzuheben und zu transportieren – sogar dann, wenn sich bereits Wasser in der Rettungsdecke gesammelt hat. Dadurch bleibt man flexibel und ist nicht an einen festen Standort gebunden, was in einer Survivalsituation ein großer Vorteil sein kann.
Gerade bei wechselnden Wetterbedingungen oder wenn der ursprüngliche Lagerplatz aufgegeben werden muss, kann das entscheidend sein. Außerdem lässt sich das aufgefangene Wasser auf diese Weise verlustarm transportieren, ohne es zunächst in andere Behälter umfüllen zu müssen. Die Konstruktion verbindet damit einfache Mittel mit einem hohen praktischen Nutzen und zeigt, wie wichtig durchdachte Improvisation im Survival Bereich sein kann.

Für die Befestigung der Rettungsdecke wurde eine einfache, aber sehr effektive Technik verwendet, um das empfindliche Material nicht zu beschädigen. Dazu wurde eine kleine Kugel aus Lehm oder Erde in den Rand der Rettungsdecke eingedreht und anschließend mit einer Schlaufe fixiert.
Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass keine Löcher in die Rettungsdecke gestochen werden müssen. Die Zugkraft verteilt sich gleichmäßiger auf das Material, wodurch die Gefahr des Einreißens deutlich reduziert wird. Gleichzeitig entsteht eine stabile Befestigung, die auch bei Wind zuverlässig hält.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Bereits nach einem kurzen Regenschauer hat sich eine beachtliche Menge Wasser in der Rettungsdecke gesammelt. Das zeigt, wie effektiv selbst einfache, improvisierte Konstruktionen zur Wassergewinnung sein können.
Da sich zusammen mit dem Regenwasser häufig kleine Partikel wie Pollen, Blätter, Staub oder andere Verschmutzungen ansammeln, empfiehlt es sich, das Wasser zusätzlich durch ein sauberes Tuch oder ein anderes geeignetes Textil zu filtern. Anschließend kann das Wasser direkt aus der Rettungsdecke entnommen werden, beispielsweise mithilfe eines hohlen Pflanzenstängels als improvisierter Trinkhalm.

Bei der nächsten Konstruktion hat eine Teilnehmerin ein langes, flexibles Holz gebogen, das als tragender Rahmen dient. Die Enden wurden anschließend von ihr miteinander verkeilt, sodass die gebogene Form stabil erhalten bleibt. Um diesen Rahmen herum wurde die Rettungsdecke eingeschlagen und zusätzlich mit Klammern befestigt. Dadurch entsteht eine große Auffangfläche für Regenwasser, während die Rettungsdecke gleichzeitig sicher gespannt bleibt.
Die Konstruktion ist einfach umzusetzen, benötigt nur wenig Material und zeigt gut, wie sich natürliche Ressourcen mit improvisierter Ausrüstung kombinieren lassen. Durch die gebogene Form kann das Regenwasser kontrolliert zur tiefsten Stelle ablaufen und sich dort sammeln.

Zum Fixieren der Rettungsdecke wurden kleine Hölzer verwendet, die bis etwa zur Hälfte ausgespalten wurden. Diese gespaltenen Holzstücke konnten anschließend auf den Rahmen gesteckt werden, wobei die eingeklemmte Rettungsdecke sicher gehalten wird.
Der große Vorteil dieser Methode besteht darin, dass die Rettungsdecke nicht durchstochen oder anderweitig beschädigt werden muss. Dadurch bleibt das Material stabil und die Gefahr von Rissen oder ausreißenden Befestigungspunkten wird deutlich reduziert.
Zudem lässt sich die Konstruktion schnell auf- und abbauen und bei Bedarf einfach anpassen. Gerade bei empfindlichen Materialien wie Rettungsdecken sind solche schonenden Befestigungstechniken besonders sinnvoll und erhöhen die Nutzungsdauer erheblich.

Auch bei dieser Konstruktion kann sich die Ausbeute bereits nach einem kurzen Regenschauer durchaus sehen lassen. Innerhalb kurzer Zeit sammelt sich eine überraschend große Menge Wasser. Wie bereits zuvor beschrieben, empfiehlt sich eine zusätzliche Filtration des Wassers durch ein sauberes Textil. Dadurch lassen sich gröbere Verunreinigungen aus dem Wasser entfernen und die Wasserqualität weiter verbessern.

Fazit:
Die Rettungsdecke ist bei kreativem Einsatz weit mehr als nur ein Hilfsmittel zum Schutz vor Kälte. In einer Survival Situation kann sie zu einem äußerst vielseitigen Werkzeug werden – unter anderem zur effektiven Gewinnung von Wasser. Richtig eingesetzt lässt sich mit ihr bereits bei geringem Niederschlag eine beachtliche Menge Regenwasser auffangen, was das Überleben auch über mittelfristige oder längere Zeiträume unterstützen kann.
Ein großer Vorteil dieser Methode besteht darin, dass frisch aufgefangenes Regenwasser in vielen Situationen bereits vergleichsweise sauber und oft direkt nutzbar ist. Eine zusätzliche Aufbereitung ist daher nicht immer zwingend erforderlich.
Die Rettungsdecke muss dabei nicht zwangsläufig auf einem aufwendigen Rahmen gespannt werden. Wenn es schnell gehen muss, reicht oft schon eine flache Mulde oder Grube im Boden, in die die Rettungsdecke eingelegt wird. Dadurch entsteht mit minimalem Aufwand eine einfache Auffangfläche für Niederschlag.
Ich selbst nutze bevorzugt spezielle, robuste Rettungsdecken, die deutlich belastbarer sind als die klassischen Modelle aus dem Verbandkasten. Diese verfügen über eingearbeitete Ösen und einer Ripstop-Struktur, wodurch sie wesentlich reißfester und langlebiger sind. Dadurch lassen sie sich einfacher befestigen, stärker belasten und vielseitiger einsetzen – besonders bei längerer oder intensiver Nutzung im Outdoor- und Survival Bereich. Zusätzlich ist eine Seite olivgrün, womit man sich in der Natur auch mal unsichtbar machen kann.


*Einige der Links auf dieser Website sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du über einen solchen Link etwas kaufst, erhalte ich möglicherweise eine kleine Provision. Für dich entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten.





Hi Lars! Vielen Dank für den tollen Beitrag!
Hast Du schon einmal ausprobieren müssen, Schnee in einer Rettungsdecke zu schmelzen?
Dass Wasser in einer Rettungsdecke die Wärmeenergie aufnimmt und das Plastik daran hindert, zu schmelzen, ist eine wirklich dankenswerte Gegebenheit. Mich würde interessieren, ob das auch mit Schnee funktioniert.
Falls nicht, könnte man ja immerhin - sofern vorhanden - restliches Trinkwasser aus der hoffentlich mitgeführten Flasche (oder mühsam mir Körperwärme aufgetautem Schnee) in die Rettungsdecke füllen und dann erhitzen und nach und nach größere Mengen Schnee hinzugeben. Man müsste dann diesen Prozess nur weiterführen und dürfte nicht vergessen, am Ende wieder Wasser abzufüllen, um zu späterer Gelegenheit das Ganze zu wiederholen. Oder spinne ich mir da was zurecht?
Viele Grüße…