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Feuer machen mit Anzündmaterial, Zunder und Holz

  • 17. Sept. 2025
  • 8 Min. Lesezeit

Feuer zählt seit Jahrtausenden zu den wichtigsten Errungenschaften der Menschheit. Es spendet Wärme, ermöglicht das Kochen von Nahrung, schützt vor wilden Tieren und ist ein elementarer Bestandteil des Überlebens in der Natur. Draußen Feuer machen ist für ungeübte Personen eine echte Herausforderung. Es entsteht nicht einfach durch einen Funken – Feuer braucht eine klare Reihenfolge von Materialien, die ineinandergreifen.

Diese Materialien lassen sich in drei Hauptgruppen einteilen: Anzündmaterial, Zunder und Holz. Fehlt eine dieser Stufen, scheitert der Prozess. Man spricht hier von der Feuerkette.

Oft wird lediglich zwischen zwei Hauptgruppen unterschieden – Zunder und Holz. Gerade für Einsteiger ist es jedoch hilfreicher, drei Kategorien zu verwenden. Auf diese Weise lässt sich der Ablauf leichter nachvollziehen und man sammelt mehr praktische Erfahrung.


Survival Camp Lars Konarek Feuer machen
Nur mit den richtigen Materialien lässt sich sicher ein Feuer machen.

Anzündmaterial – die erste Flamme

Anzündmaterial bildet die empfindlichste Stufe in der Feuerkette. Es ist das erste Medium, das Funken, Hitze oder glimmenden Bohrstaub in eine offene Flamme verwandelt. Hochwertiges Anzündmaterial kann selbst einen schwachen Funken aufnehmen und so lange halten, bis daraus eine Flamme entsteht. Diese entzündet dann das zweite Medium der Feuerkette, den sogenannten Zunder. Wichtig zu beachten ist, dass sich nicht jedes Anzündmaterial für jede Entzündungsmethode eignet: Wer ohne Feuerzeug ein Feuer entzünden möchte, braucht ein anderes Material als beim Gebrauch eines Feuerzeugs. Auch das Schlagen von Funken mit Steinen erfordert spezielles Material, und beim Bündeln von Sonnenlicht durch eine Lupe wird wiederum eine andere Variante oder eine Kombination dieser genutzt.

Manchmal ist es nötig, verschiedene Anzündmaterialien miteinander zu kombinieren, damit sie zuverlässig funktionieren. In anderen Fällen muss das Rohmaterial vorbereitet werden – etwa durch Aufrauen, Zerfasern oder Zerkleinern –, um die Funkenfangfreudigkeit oder die Glühfähigkeit zu verbessern.


Typische Eigenschaften:

  • feinfaserig, leicht und trocken

  • sofort entzündlich

  • sehr kurze Brenndauer

  • bildet keine Glut, sondern nur Flammen

  • sehr anfällig für Feuchtigkeit


Sorten Anzündmaterial

Anzündmaterial tritt in der Natur in ganz unterschiedlichen Formen auf – es kann lose und locker sein, aus festen Stücken bestehen, feinfaserig oder sogar wollig wirken. Manche Materialien fangen Funken besonders leicht, andere lassen sich nur schwer entzünden. Das perfekte Anzündmaterial existiert nicht, doch einige haben sich in der Praxis deutlich zuverlässiger gezeigt als andere. Entscheidend ist auch die jeweilige Situation: Was im trockenen Sommer gut funktioniert, kann bei Nässe oder Kälte völlig versagen. Daher lohnt es sich, verschiedene Materialien zu kennen, auszuprobieren und gegebenenfalls zu kombinieren, um für unterschiedliche Bedingungen gewappnet zu sein.

Neben natürlichen Materialien lässt sich auch künstliches Anzündmaterial nutzen. Ein Klassiker ist das Tampon: Aus der Verpackung genommen, aufgeraut und entfasert, lässt es sich mit einem Funken leicht entzünden und brennt zuverlässig weiter. Gerade zum Üben sind Tampons ideal, weshalb ich sie in meinem Survival Camp gerne einsetze.


Das Tampon zum Feuer machen ohne Feuerzeug
Tampons sind künstliche Anzündhilfen.

Holundermark

Das innere Mark von abgestorbenen Holunderästen ist meist ein trockenes Anzündmaterial. Es kommt relativ oft vor, dass man an einem Holunderstrauch neben den vitalen Ästen diese findet. Oft kann auch bei feuchter Witterung daraus trockenes Mark gewonnen werden. Ein Stück abgebrochener Zweig wird längs eingeschnitten oder ein Stück der Rinde wird abgeschält. Schon hier sieht man das helle, schwammige Mark im Inneren. Mit der Messerspitze oder einem Stock wird das Mark herausgekratzt oder herausgedrückt.

Frisch gesammeltes Holundermark ist noch feucht. Am besten einige Stunden an der Luft trocknen lassen, bevor es in den Zunderbeutel kommt.


Anzündmaterial aus Holunder ist kein Zunder
Das innere Mark von abgestorbenem Holunder ist oft ein trockenes Anzündmaterial.

Efeu

Die feinen Wurzelhärchen vom Efeu sind tatsächlich ein stark unterschätztes Anzündmaterial. Sie sind extrem fein, trocken (wenn richtig gesammelt) und lassen sich mit Funken entfachen. Besonders an dicken Ranken finden sich viele Luftwurzeln mit den typischen braunen Härchen. Diese werden vorsichtig mit den Fingern oder dem Messer vom Holz gestrichen oder abgezupft und gesammelt. Die Härchen müssen staubtrocken sein. Feuchte oder frische Härchen funktionieren schlecht. Falls sie leicht feucht sind: in der Hosentasche trocknen lassen oder in der Sonne ausbreiten.


Efeu ist ein Anzündmaterial und kein Zunder.
Efeu liefert ein Anzündmaterial.

Efeuwurzeln zum Feuer machen beim Survival
Abgezupfte Efeuwurzeln im trockenen Zustand.

Harz

Der Klassiker unter den Natur-Anzündmaterialien. Es ist hochentzündlich, wasserabweisend und brennt selbst unter widrigen Bedingungen zuverlässig. Harz kann an Nadelbäumen wie Kiefern, Tannen, Fichten oder Lärchen gesammelt werden. Häufig tritt es aus Verletzungen der Rinde aus, z. B. wo Äste abgebrochen sind oder wo der Baum beschädigt wurde. Es erscheint als klebrige, bernsteinfarbene Masse oder als harte, weiße Kruste. Frisches Harz ist klebrig, altes Harz ist hart und brüchig. Beides funktioniert. Es wird mit einem Messer, Stock oder sogar den Fingern abgekratzt oder je nach Konsistenz von der Rinde angebrochen. Das Harz selbst nimmt Funken vom Feuerstahl nur schwer an. Es braucht eine kleine Flamme oder ein stark glimmendes Material. Deswegen muss es mit anderem faserigen Material gemischt werden.



Hart ist gut für das Survival Feuer machen ohne Feuerzeug
Harz ist ebenfalls ein Anzündmaterial, das oft gemischt werden muss.

Trockene Gräser

Gerade bei Funkenmethoden wie der Nutzung eines Feuerstahls oder dem Funkenschlagen mit einem Stein, tritt oft das Problem auf, dass die Funken am Anzündmaterial abprallen. Ursache ist eine glatte, relativ harte Oberfläche – typisch etwa für die Stängel abgestorbener Gräser. Zudem erschwert die runde Form des Stängels, dass sich ein Funke dort festsetzen kann. Deutlich besser eignen sich die vertrockneten Blätter des Grases: Sie sind flach, bieten mehr Angriffsfläche und ermöglichen es dem Funken, sich leichter einzufressen.



Trocknes Gras als Zunder?
Trockenes Gras ist ebenfalls ein Anzündmaterial, wenn man ein paar Dinge beachtet.

Birkenrinde

Ein besonders wertvolles Anzündmaterial ist Birkenrinde, da sie selbst im nassen Zustand zuverlässig brennt. Verantwortlich dafür sind die darin enthaltenen ätherischen Öle und Harze, die wie ein natürlicher Brandbeschleuniger wirken. Damit hebt sich Birkenrinde deutlich von den meisten anderen Materialien ab. Gerade in einer Survival-Situation, wenn bei Regen oder Schnee ein Feuer entfacht werden muss, sollte gezielt nach ihr Ausschau gehalten werden. Schon kleine Mengen reichen oft aus, um Zunder oder dünne Hölzer zu entfachen – ein klarer Vorteil, der im Ernstfall über Erfolg oder Misserfolg beim Feuermachen entscheiden kann.


Birkenrinde aus dem Survival Camp bei Survival Guide Lars Konarek
Der Survival Klassiker - Birkenrinde zum Feuer machen.

Buchenblätter

Bei jungen Buchen bleiben die Blätter oft noch den Winter über am Baum, während ältere Exemplare ihre Blätter fast vollständig abwerfen. Besonders geeignet als Anzündmaterial sind helle, gut verwitterte Blätter. Grundsätzlich gilt: Je heller das Blatt, desto besser brennt es – je dunkler, desto schlechter. Auch Blätter anderer Baumarten können sich zum Entfachen eines Feuers eignen; hier hilft nur Ausprobieren. Weniger empfehlenswert sind jedoch Blätter von Ahorn, Eiche und ähnlichen Arten, da ihre „lederartige“ Oberfläche zu dick ist, wodurch Funken abprallen und nicht haften bleiben.


Buchenblätter sind ein gutes Anzündmaterial
Buchenblätter sind ein gutes Anzündmaterial.

Buchenblätter für das Feuer ohne Feuerzeug
Sortiert von links nach rechts: gute, mittlere und schlechte Qualität.

Die Blätter können auch zwischen den Händen zerrieben werden. Somit erhöht sich die Funkenfangfreudigkeit.


Für das Survival Feuer mit einem Feuerstahl eignen sich Buchenblätter
Zermahlene Blätter fangen besser einen Funken.

Wollige Samen

Gegen Ende des Sommers sind sie sehr verbreitet zu finden: Die effektivsten Funkenfänger sind flusige, wollige Samen. In ihrer weichen Struktur können sich Funken leicht festsetzen, und die entstehende Glut wird für eine gewisse Zeit zuverlässig gehalten. Typische Pflanzen, die solches Material liefern, sind Goldrute, Distel, Wasserdost oder die Blütenstände des Schilfrohrs. Außerdem lassen sich die Samen gut mit anderen Anzündmaterialien kombinieren, um die Chancen auf ein erfolgreiches Feuer deutlich zu steigern.


Distelsamen zum Feuer machen ohne Feuerzeug
Distelsamen zum Feuer machen.

Feuer machen ohne Feuerzeug mit Goldrutensamen
Goldrutensamen sind ebenfalls ein gutes Anzündmaterial.

Die Feuerkette – warum kein Glied fehlen darf

Man kann sich das Ganze wie eine Kette vorstellen:

  • Der Funke entzündet das Anzündmaterial.

  • Das Anzündmaterial bringt den Zunder zum Glimmen.

  • Der Zunder überträgt seine Glut auf das Holz.

Fehlt eine dieser Stufen, bleibt das Feuer aus. Ein anschauliches Beispiel: Ein zerflustes Tampon kann kein Holzscheit entzünden – weil der Zunder als Zwischenglied fehlt. Ebenso wenig lässt sich frisches Fichtenreisig direkt mit einem Feuerstahl entzünden – es braucht erst eine Flamme.


Zunderschwamm

Zur Vollständigkeit sei auch der Zunderschwamm erwähnt – ein Baumpilz, der sich nach entsprechender Vorbereitung als Anzündmaterial nutzen lässt. Verwendet wird dabei das innere Gewebe, das nach der Bearbeitung an ein Stück Leder erinnert. Auf dieses Material werden Funken geschlagen, die sich darin festsetzen. Es beginnt zu glimmen, lässt sich transportieren und kann später zum Entfachen eines Feuers genutzt werden. In einer echten Survival-Situation ist die Herstellung von Zunderschwamm-Anzündmaterial jedoch sehr aufwendig, weshalb ich hier nicht näher darauf eingehe.


Zunder selber machen mit dem Zunderschwamm Survival Pilz
Zunderschwamm muss aufwendig aufbereitet werden.

Zunder – der Glutbildner

Zunder ist das zweite Medium in der Kette. Es lässt sich nicht direkt durch Funken entzünden, sondern braucht die Flamme des Anzündmaterials. Seine wichtigste Eigenschaft: Zunder erzeugt Glut, die für die Hitzeentwicklung des Feuers wichtig ist. Zundermaterial besitzt meist eine zu harte Oberfläche, sodass sich Funken nicht darin festsetzen und es direkt entzünden können. Selbst glimmender Bohrstaub vom Feuerbohren reicht dafür nicht aus. Deshalb braucht es als Zwischenschritt das Anzündmaterial.

Streng genommen lässt sich Zunder in sehr dünne, mittlere und dickere Varianten einteilen – auch wenn es dafür keine einheitliche Skala gibt. Wichtig ist: Zundermaterialien erzeugen Glut, die den Entzündungsprozess entscheidend unterstützt. Selbst wenn das Feuer zunächst nicht gelingt, kann die Glut oft durch vorsichtiges Einblasen wieder zum Aufflammen gebracht werden. Zunder dient damit als Bindeglied und überträgt die Energie auf das nächste Medium – das Holz.


In jedem Laubwald finden sich kleine Äste, die irgendwann durch Wind, Alter oder andere Einflüsse abgebrochen sind und nun lose in den Bäumen hängen. Diese sogenannten Zunderäste eignen sich hervorragend als feines Anzündmaterial, da sie durch ihre hängende Position gut durchgetrocknet sind und meist keinen Bodenkontakt hatten. Dadurch bleiben sie auch nach einem Regenfall oft erstaunlich trocken. Solche Äste lassen sich leicht abbrechen, in kleinere Stücke zerlegen und brennen sehr zuverlässig.


Auch Zunder muss mitunter vorbereitet oder optimiert werden. Die bekannteste Methode, ihn flammenfreundlicher zu machen, ist das Einschnitzen feiner Späne – im Bushcraft-Jargon auch „Locken“ genannt. Dabei bleiben die Späne an einer Seite mit dem Holz verbunden und bilden so eine leicht entflammbare Oberfläche.


Survival und Bushcraft - Locken
Späne in ein Zunderstöckchen geschnitzt verbessern die Brennbarkeit.

Fichtenreisig

Die meisten Leser dürften schon mal von Fichtenreisig gehört haben oder ihn bereits kennen. Fichten bilden eine lichtdichte Baumkrone. Die unteren Äste bekommen im dichten Nadelkleid kaum noch Sonnenlicht. Ohne genügend Licht lohnen sich Photosynthese und Nährstoffversorgung für den Baum nicht mehr. Er stellt die Versorgung dieser Äste ein, und sie sterben ab. Daher können an Fichten im unteren Bereich meistens Fichtenreisig in großen Mengen sowie unterschiedlichen Dicken gesammelt werden. Oft ist das Holz sogar im Kern trocken, selbst wenn es tagelang geregnet hat.


Fichtenreisig zum Feuer machen
Fichtenreisig ist guter Zunder.

Survival Feuer machen mit Fichtenreisig
Fichtenreisig mit "Haut", besser ist die Variante ohne diese.
Trockener Zunder für das Survival Feuer
Abbruchstellen dieser Tanne sind trocken und idealer Zunder.

Holz

Holz ist die dritte und wichtigste Stufe in der Feuerkette. Es sorgt für die eigentliche Brenndauer und erzeugt neben Flammen auch eine lang anhaltende Glut. Idealerweise sammelt man dieses in verschiedenen Dicken. Es dürfte jedem klar sein, dass das Holz trocken sein sollte. In der Praxis ist das trockene Holz jedoch nicht immer einfach auffindbar. Wenn man in baumreicher Umgebung unterwegs ist, finden sich immer wieder vom Sturm oder vom Alter an Bäumen herabgebrochene Äste, die sich in greifbarer Distanz befinden. Brennt ein Feuer stabil und hoch, kann auch feuchtes Holz verbrannt werden.


Hier hängt echter Survival Zunder und Holz
Hier hängt ein abgebrochener und knochendürrer Ast im Baum.

Fazit

Wer Feuer machen will, braucht nicht nur Glück oder ein Feuerzeug, sondern vor allem Verständnis für die Reihenfolge der Materialien. Anzündmaterial, Zunder und Holz sind wie ein Team – jeder Teil erfüllt seine Aufgabe, und nur im Zusammenspiel entsteht ein stabiles Feuer.

Wenn du draußen unterwegs bist, trainiere bewusst das Sammeln, Vorbereiten und Schichten dieser drei Materialien. In meinen Survival Trainings lernst du, wie du in der Natur geeignete Materialien findest und worauf es bei der Feuerentfachung besonders ankommt. Ich zeige dir, welches Holz lange brennt und wie du ein Feuer durch eine Nacht bringst, wenn du schläfst.

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