Tierische Survival Nahrung (1): Überlebenschance oder Energiefalle?
- 14. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Tierische Survival Nahrung – oft auch als tierische Notnahrung bezeichnet – ist ein entscheidender Bestandteil für das Überleben, sei es in der Wildnis oder in Kriegs- und Katastrophensituationen, in denen das reguläre Nahrungsangebot stark eingeschränkt ist oder vollständig wegfällt.
Mit diesem Blogbeitrag knüpfe ich an die Reihe „Pflanzliche Survival Nahrung“ an – und möchte gleichzeitig eine wichtige Ergänzung dazu bieten. Im ersten Teil werden pflanzliche und tierische Notnahrung miteinander verglichen.

Definition "tierische Survival Nahrung"
Sie bezeichnet alle essbaren Nahrungsmittel tierischen Ursprungs, die in einer Überlebenssituation zur Deckung des Kalorienbedarfs und zur Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen genutzt werden können, wenn herkömmliche Nahrungsquellen nicht verfügbar sind. Zu den meiner Meinung nach realistischen tierischen Nahrungsquellen, die man ohne Schusswaffe und Übung und ohne andere künstliche Hilfsmittel zur Jagd fangen kann, gehören unter anderem:
Insekten (Heuschrecken, Käferlarven, Ameisen, Termiten)
Würmer und Schnecken
Fische und Krebstiere
Amphibien und Reptilien
Kleinsäuger (Mäuse, Ratten, Kaninchen)
Vögel und deren Eier
Mollusken (Muscheln, Austern bei Küstennähe)
Größere Säugetiere und Großwild klammern wir an dieser Stelle bewusst aus, da für deren Bejagung umfangreiches Fachwissen, praktische Erfahrung und vor allem geeignete Jagdmittel wie Waffen notwendig wären.
Kann man langfristig nur mit Wildpflanzen überleben?
Nicht selten werde ich während meiner Survival-Trainings gefragt, ob es möglich ist, in der Wildnis dauerhaft allein durch den Verzehr von Wildpflanzen zu überleben, wenn keinerlei andere Nahrung zur Verfügung steht. Diese Frage habe ich mir – als jemand, der überwiegend aus gesundheitlichen und nicht aus ideologischen Gründen vegetarisch lebt – natürlich vor vielen Jahren selbst gestellt. Für alle, die sich ernsthaft mit Survival beschäftigen, ist sie zudem von zentraler Bedeutung.
Grundsätzlich kann gesagt werden: In vielen kurzfristigen und teilweise auch mittelfristigen Szenarien kann pflanzliche Survival-Nahrung das Verhungern deutlich hinauszögern. Sie bietet zahlreiche Vorteile:
Pflanzen sind meist häufiger zu finden – und sie laufen nicht weg.
Hat man eine essbare Pflanze identifiziert, kann man größtenteils mehrfach zur selben Stelle zurückkehren.
Viele Pflanzen wachsen in größeren Beständen, etwa Brennnesselfelder oder Bucheckern unter einem Baum.
Sie müssen nicht gejagt werden, was Energie spart.
Pflanzen übertragen in der Regel keine gefährlichen Krankheiten.
Es besteht keine Verletzungsgefahr durch Beute oder Abwehrverhalten.
Sammeln geht schnell, viele Pflanzen können sogar roh verzehrt werden.
Vitamin C und viele andere Mikronährstoffe stammen fast ausschließlich aus Pflanzen.
Viele essbare Pflanzen liefern zusätzliche Flüssigkeit.

Trotz dieser Vorteile besteht ein großes Problem: Rein pflanzliche Nahrung liefert im Durchschnitt nicht ausreichend Kalorien für ein langfristiges Überleben.
Zwar gibt es Zeiten mit hoher Kaloriendichte – etwa im Herbst, wenn Nüsse wie Haselnüsse, Bucheckern oder Eicheln verfügbar sind - doch dieses Zeitfenster ist kurz. Außerhalb dieser Phase findet man nur vereinzelt Reste am Waldboden, die häufig bereits verrottet sind oder von Tieren und Insekten aufgefressen wurden. Auch energiereiche Früchte wie Brombeeren sind nur saisonal verfügbar und enthalten zwar Zucker, aber deutlich weniger Fett und Eiweiß als Nüsse.
Wildpflanzen liefern praktisch kein Vitamin B12, meist sehr wenig verwertbares Eisen und kaum vollständige Proteine mit allen essenziellen Aminosäuren. Auch Fette, die du für die Aufnahme fettlöslicher Vitamine und als Energieträger dringend brauchst, fehlen fast vollständig.
Es sollte sich als ernsthafter Survivor, der sich mit dem Thema intensiv befasst, mit folgender Erkenntnis auseinandergesetzt werden: Langfristig kann man nicht allein mit pflanzlicher Survival-Nahrung überleben. Für Vegetarier und Veganer ist es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, dass dieses Ernährungskonzept in echten Survival-Situationen nicht aufgeht. Auf Dauer muss pflanzliche Nahrung entweder ergänzt oder – wenn nötig – durch tierische Nahrung ersetzt werden.
Tierische Notnahrung liefert vor allem hochwertige Proteine, Fette und essenzielle Aminosäuren, die für das längerfristige Überleben wichtiger sind als Kohlenhydrate. Sie hat in der Regel eine höhere Kaloriendichte als pflanzliche Notnahrung.
Gesundheitsrisiken bei tierischer Notnahrung
Tierische Notnahrung birgt teilweise erhebliche gesundheitliche Gefahren, die in einer Überlebenssituation schnell lebensbedrohlich oder im Nachhinein schwer schädigend werden können. So enthält rohes oder unzureichend gegartes Fleisch oft Parasiten wie Trichinen, Bandwürmer oder den gefährlichen Fuchsbandwurm, die ohne ausreichendes Erhitzen auf mindestens 70°C überleben.
Akute Lebensgefahr besteht dann, wenn bakterielle Infektionen wie beispielsweise Salmonellen oder E. coli in vor allem bei Aas oder bei unsachgemäßer Lagerung entstehen, was bei warmen Temperaturen in der Wildnis ohne Kühlung innerhalb weniger Stunden zum Problem wird.
Hinzu kommt das Risiko von Verwechslungen: Bestimmte Amphibien sondern Hautgifte ab, die bei der Zubereitung oder beim Verzehr des Fleisches in den Körper gelangen könnten. Das passiert z. B., wenn man bei uns in Deutschland einen Frosch mit einer Erdkröte verwechselt, da diese giftige Hautdrüsen besitzen.
Aber auch bei Fischen gibt es an einigen Standorten Gefahren: Sie sind durch Algentoxine verseucht, und Muscheln können bei Algenblüte tödliche Gifte anreichern. Auch allergische Reaktionen auf Insekten werden oft unterschätzt – wenn man nicht die Kenntnis über die Essbarkeit besitzt.
Zubereitung tierischer Notnahrung
Die wichtigste Regel bei der Zubereitung tierischer Notnahrung lautet: Niemals roh verzehren, sondern immer gründlich durchgaren. Fleisch, Fisch und Insekten müssen auf mindestens 70°C Kerntemperatur erhitzt werden, um Parasiten, Bakterien und andere Krankheitserreger abzutöten – was in der Praxis bedeutet, dass das Fleisch vollständig durchgebraten oder durchgekocht sein muss, ohne rosa Stellen. Ohne Feuer steigt das Gesundheitsrisiko dramatisch an, weshalb die Fähigkeit, unter widrigen Bedingungen Feuer machen zu können, für die Nutzung tierischer Notnahrung unverzichtbar ist. Einzige Ausnahme bilden hier essbare Insekten, da sie in absoluter Not auch roh verzehrt werden können, um das akute Verhungern abzuwenden. Das liegt daran, dass die auf den Menschen übertragbaren Parasiten in der Regel keine ernsthaften gesundheitlichen Folgen verursachen und in der Zivilisation in der Regel medizinisch behandelt werden können.
Bei größeren Tieren sollte das Fleisch zudem so schnell wie möglich nach der Tötung ausgenommen und zubereitet werden, da es ohne fachgerechte Zubereitung innerhalb weniger Stunden zu verderben beginnt und ungenießbar wird.

Psychologische Hürden
Die psychologischen Hürden beim Verzehr tierischer Notnahrung werden in Survival Situationen oft unterschätzt. Vielen Menschen fällt es extrem schwer, lebende Tiere mit bloßen Händen zu töten, selbst wenn es um das eigene Überleben geht – die Tötungshemmung ist tief verwurzelt und lässt sich anfangs nicht einfach überwinden. Noch größer ist oft der Ekel vor Insekten, Würmern oder Maden, die zwar nährstoffreich und relativ leicht zu beschaffen sind, aber allem widersprechen, was wir kulturell als "Essen" gelernt haben. Daher empfehle ich jedem Leser ein Survival Training, um in der Gruppendynamik auch mal die eigenen Ekelgrenzen zu überwinden.
Ausrüstungsmangel
Ohne entsprechende Ausrüstung wird das Fangen von tierischer Notnahrung (außer Insekten usw.) zur enormen Herausforderung. Ein Eichhörnchen läuft dem Überlebenden sicherlich nicht in die Hände mit dem Wunsch, getötet, geschlachtet und gegessen zu werden. Dazu kommt folgende Hürde: Primitive Fallen und Schlingen erfordern nicht nur handwerkliches Geschick und Erfahrung, sondern auch geeignetes Material wie Schnüre, Drähte oder biegsame Äste, das in manchen Umgebungen oder in der verbliebenen Ausrüstung schlicht nicht verfügbar ist.
Außerdem muss man Folgendes auch bedenken: Das Zerlegen größerer Tiere ist ohne Messer oder scharfes Werkzeug nahezu unmöglich, und selbst das Ausnehmen von Fischen oder Kleinsäugern wird ohne Klinge zur herausfordernden Angelegenheit. Fischfang setzt zudem die Nähe zu Gewässern voraus und benötigt improvisierte Angeln, Speere oder Reusen.
Fazit
Trotz aller Herausforderungen und Risiken ist es ratsam, sich intensiv mit dem Thema tierische Survival-Nahrung auseinanderzusetzen, da diese in längerfristigen Überlebenssituationen lebensrettend sein kann. Dazu gehört nicht nur der fachgerechte Fang und die richtige Verwertung der Tiere, um den maximalen Nährwert zu nutzen und gesundheitliche Risiken zu minimieren, sondern auch fundiertes Wissen über die Gewohnheiten und Lebensräume potenzieller Beutetiere sowie über verschiedene Jagd- und Fallentechniken. Wer diese Fähigkeiten beherrscht und die Grenzen kennt, kann im Ernstfall deutlich besser abwägen, wann der Aufwand lohnt und wann andere Prioritäten wichtiger sind.
Ich bedanke mich herzlich fürs Lesen – im nächsten Teil widmen wir uns dem praktischen Handwerk: Schlachten, Ausnehmen und Zubereiten von kleinen Säugern. Teile diesen Beitrag, wenn er dir gefallen hat – so unterstützt du mich und hilfst anderen weiter!




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